Der Reifen - mehr als schwarz und rund!

Der Reifen ist ein überaus wichtiges Bauteil des Fahrwerks eines Automobils. Er muß federn, dämpfen, für einen guten Geradeauslauf sorgen, gute Rundlaufeigenschaften und eine hohe Lebensdauer besitzen. Vor allem muß der Reifen eine optimale und sichere Straßenlage erzielen. Hierfür muss er hohe Kräfte übertragen. Dieses muß auch dann gewährleistet sein, wenn die äußeren Bedingungen (Wetter, Fahrbahn, etc.) nicht optimal sind. Denn der höchste Anspruch an den Reifen ist nach wie vor die Sicherheit des Fahrers!

Luftdruck
Richtiger Luftdruck - wichtig für Sicherheit und Lebensdauer!

Nach Schätzungen der Reifenhersteller müssen, allein aufgrund falschen Luftdrucks, pro Jahr Reifen im Wert von rund einer halben Milliarde Euro vorzeitig ausgetauscht werden.

Denn zu niedrig eingestellter Luftdruck bedeutet:
  • Rollwiderstand und Reibung nehmen zu
  • Schnellerer Verschleiß durch erhöhte Innentemperatur des Reifens
  • Erhöhtes Unfallrisiko insbesondere bei beladenem Fahrzeu
Geringfügig höherer Luftdruck hingegen hat Vor- und Nachteile:
  • Besserer Griff und geringerer Rollwiderstand bei Druckerhöhung um 0,2 bar, deshalb empfehlenswert vor allem für Winterreifen
  • Aber: Mehr als 0,2 bar zuviel beeinträchtigt die Straßenlag

Viele Reifenschäden und Unfälle werden durch einen falschen Reifenfülldruck ausgelöst. Doch der Luftdruck hat auch entscheidenden Einfluss auf den Reifenverschleiß und den Kraftstoffverbrauch.
Gerade zu geringer Luftdruck an einem oder mehreren Rädern hat nicht unerhebliche ökonomische und ökologische Auswirkungen:

Ein Minderdruck von 0,2 bar führt zu einem Prozent mehr Spritverbrauch und einer 10 Prozent geringeren Reifenlebensdauer. Bei 0,4 bar Minderdruck hat dies einen zwei Prozent höheren Spritverbrauch und eine 25 Prozent geringere Lebensdauer zur Folge. 0,6 bar Minderdruck erhöht den Benzinverbrauch um vier Prozent und reduziert gleichzeitig die Lebensdauer des Reifens um 45 Prozent. Darüber hinaus ist zu geringer Luftdruck höchst gefährlich. Durch die verstärkte Walkarbeit des schlappen Reifens erhitzt er sich übermäßig und kann im Bereich der Karkasse (des Reifenunterbaus) bis zu 130 °C heiß werden, was im schlimmsten Fall zum Platzen des Reifens führen kann.

Den vom Fahrzeughersteller vorgeschriebenen Luftdruck finden Sie in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs und z.B. in der Tankklappe oder am Türholm vermerkt. Der Luftdruck sollte bei jedem Tankstopp, mindestens aber alle vier Wochen überprüft werden. Die Prüfung muss am kalten Reifen durchgeführt werden, da wärmere Reifen einen höheren Druck aufweisen. Deshalb nie aus einem warmen Reifen Luft ablassen!

Vergessen Sie nicht den Reservereifen! Im Notfall brauchen Sie ihn dringend und dann sollte er auch einsatzbereit sein!

Breitreifen

Breitere Reifen – stärkere Bremsanlage! Moderne Autos sind leichter und schneller als frühere Automobil-Generationen. Damit einher geht der Trend zu breiteren Reifen, das heißt, die Höhe der Reifenflanken nimmt im Verhältnis zur Breite der Lauffläche ab. Breitreifen (obere Hälfte des Schaubildes) erlauben u. a. auf trockener Straße eine bessere Kraftübertragung, größere Lenkgenauigkeit sowie bessere Querstabilität. Die gleichzeitige Vergrößerung des Felgendurchmessers gestattet zudem stärkere und damit wirkungsvollere Radbremssysteme. Innovationen in der Profilgestaltung ermöglichen, dass das Fahrverhalten auf nasser Straße genau so gut ausfällt, wie bei den schmalen Reifen. Trotz innovativer Profiltechnik müssen Fahrer von Breitreifen allerdings mit verminderter Wintertauglichkeit rechnen.

Profil eines Reifens

Die Sicherheit, besonders bei Nässe, Matsch und Schnee, hängt vom Profil des Reifens ab, insbesondere von der Profiltiefe. Pkw-Neureifen verfügen über ca. 9 mm Profiltiefe. Gesetzlich vorgeschrieben (§ 36 Straßenverkehrszulassung-Ordnung) ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Ob diese Minimalgröße erreicht ist, kann man an einem Abnutzungsindikator (Stege in den Profilrillen) ablesen. Wo diese Stege sich befinden, ist mit dem Kürzel „TWI“ (Tread Ware Indikator) oder z.B. bei Michelin-Reifen mit dem Michelin-Männchen gekennzeichnet. Sind diese Stege deutlich sichtbar und auf einer Höhe mit dem Restprofil, ist das Mindestmaß von 1,6 mm erreicht.

Autofahrern, deren Reifen diese Profiltiefe nicht mehr aufweisen, drohen bei einer Polizeikontrolle ein Bußgeld von 50,- € (dem Fahrzeughalter gar 75,- €) sowie jeweils drei Punkte ins Flensburg. Zu den genannten Bußgeldern kommt noch eine Bearbeitungs- und Zustellgebühr von wenigstens 25,- €.

Doch darauf sollten es Autofahrer nicht ankommen lassen. Experten empfehlen:
  • Austausch von Pkw-Sommerreifen bei einer Restprofiltiefe von 2mm
  • Breitreifen sollten 3mm nicht unterschreiten
  • Winterreifen verlieren ihre Wirkung bereits bei einem Restprofil von 4mm
  • Ein Autofahrer, der seine Reifen bis zur zugelassenen Verschleißgrenze abfährt, handelt zwar nicht gesetzeswidrig, riskiert aber seinen Versicherungsschutz. In einem solchen Fall, so befand das Landgericht Itzehoe, gilt ein Unfall auf regennasser Fahrbahn als „grob fahrlässig herbeigeführt“
Erläuterungen zur Reifenkennzeichnung
Gesetzliche Regelungen nach § 36 StVZO und der ``Richtlinie für eine einheitliche Reifenkennzeichnung``

Reifen, gemeint sind Luftreifen für Fahrzeuge mit einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 40 km/h, müssen außer der Fabrik- oder Handelsmarke folgende Aufschriften tragen:

  • Reifennennbreite
  • Nennquerschnittsverhältnis
  • Reifenbauart
  • Felgennenndurchmesser
  • Tragfähigkeitskennzahl(en)
  • Symbol(e) der Geschwindigkeitskategorie
  • falls zutreffend: TUBELESS, M+S (M&S, M.S.), REINFORCED
  • Herstellungsdatum (dreistellig, die ersten zwei Ziffern geben die Herstellungswoche, die dritte Ziffer das Herstellungsjahr an).

Hier ein Beispiel zur Reifenkennzeichnung:
„225/60 R 15 96 W“

  • 225 Breite des Reifens in mm
  • 60 Verhältnis Höhe zu Breite des Reifens in Prozent
  • R Kennzeichnung der Bauart (Radial)
  • 15 Felgendurchmesser in Zoll
  • 96 Kennzahl für die Tragfähigkeit des Reifens
  • W Kennzeichnung für die Geschwindigkeitsklasse (W = 270 km/h)
  • falls zutreffend: TUBELESS, M+S (M&S, M.S.), REINFORCED
  • Die Fertigungswoche, das Fertigungsjahr und damit das Alter des Reifens ist aus der Beschriftung, die mit den Buchstaben „DOT“ beginnt, ersichtlich (DOT steht übrigens für Department of Transport, d.h., dass damit die Erfüllung des USA-Gesetzes FMVSS 119 bestätigt wird).

Hinter „DOT“ und den zwei darauf folgenden vierstelligen Buchstabenkombinationen steht bis zum Herstellungsjahr 1999 die dreistellige DOT-Nummer. Die beiden ersten Ziffern geben dabei die Produktionswoche an, die letzte Ziffer das Produktionsjahr. 434 bedeutet also z.B., dass der Reifen in der 43. Kalenderwoche 1994 hergestellt wurde. Zur Unterscheidung der Jahresangabe haben die meisten Reifenhersteller für den Herstellungszeitraum 1990-1999 zusätzlich ein Dreieck hinter der DOT-Nummer angebracht.

Seit 2000 ist die DOT-Nummer vierstellig anzugeben, die beiden ersten Ziffern geben dabei wiederum die Produktionswoche an, die letzten beiden Ziffern das Produktionsjahr. 0100 bedeutet dementsprechend z.B., dass der Reifen in der 1.Kalenderwoche 2000 hergestellt wurde. Winter- und Ganzjahresreifen sind zusätzlich noch durch die Bezeichnung „M+S“ gekennzeichnet. (Quelle:www.bundesverband-reifenhandel.de)

Reifenlagerung

Richtige Lagerung erhöht die Lebensdauer.

  • Lagerraum kühl, trocken und dunkel halten, keine Zugluft
  • Kontakt mit Öl, Fett, Kraftstoff, Lösungsmittel, Chemikalien
    unbedingt vermeiden
  • Luftdruck um 0,5 bar erhöhen
  • montierte Räder (Kompletträder) können bis max. 1 m
    gestapelt werden
  • Radpositionen bei Kompletträdern kennzeichnen
  • unmontierte Reifen senkrecht stellen und von Zeit zu Zeit drehen
Reifenlagerung
Verschleiß

Viele Faktoren beeinflussen die Länge eines Reifenlebens

Der ganz alltägliche Verschleiß: Reibungsverluste und Reifenschlupf beim Anfahren, Bremsen, bei Kurvenfahrten und beim Abrollen. Einflussgrößen sind u. a. die Fahrweise, die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche, der Rollwiderstand und das Reifenprofil.

Das fortschreitende Alter: Reifen taugen nach sechs Jahren nur noch zur Nutzung, wenn sie bis dahin einem kontinuierlichen Fahrbetrieb unterworfen waren. Das Reserverad ist nach sechs Jahren ebenfalls nicht mehr als eine Notlösung.

Erhöhter Verschleiß und Beschädigungen: Mängel am Fahrwerk bspw. defekte Stoßdämpfer, wirken verschleißfördernd. Auch können gut ausgewuchtete Reifen mit der Zeit unruhig laufen, weil etwa durch einen Aufprall auf eine Bordsteinkante oder gelöste Gewichte eine Unwucht eingetreten ist. Steine, Scherben, Nägel und andere Fremdkörper führen mitunter zu Rissen, Beulen oder Schnitten. Nur der Reifenspezialist kann entscheiden, ob repariert werden kann oder ausgetauscht werden muss.

Um die Lebensdauer der Reifen zu erhöhen, sollten die Räder in angemessenen Intervallen (etwa alle 5.000 Kilometer) von vorn nach hinten gewechselt werden.